Warum und wie man sanftes Blindschach spielen sollte

Blindschach-Training – selbst in abgemilderter Form – verbessert das eigene Schachspiel. Es stärkt die Fähigkeit zur Visualisierung, fördert Konzentration und mentale Ausdauer, schärft die Berechnung und vertieft das Positionsgefühl. Viele starke Spieler – darunter Größen wie Morphy, Pillsbury, Réti, Najdorf und Aljechin – nutz(t)en Blindschach gezielt als Trainingsmethode.

Da vollständiges Blindschach über eine ganze Partie für den normalen Bezirksklassespieler jedoch unmöglich ist, habe ich eine Android‑App entwickelt, mit der man verschiedene abgestufte Blindschach‑Modi gegen verschiedene Bots ausprobieren kann:

  • 1/4 blind: weiße Figuren als „x“, schwarze als „o“, alle 13 Züge Sicht auf das echte Brett möglich mit dem Auge-Button.
  • 1/2 blind: alle Figuren als „o“, selbe Erlaubnis wie bei 1/4 blind.
  • 3/4 blind: keine Figuren sichtbar, alle 13 Halbzüge eine Sicht möglich.
  • 5/6 blind: keine Figuren sichtbar, alle 13 Züge Sicht; für mich zu hart.

Die App ist kostenlos, werbefrei und offline nutzbar. Sie heißt Schach Springergabel und entstand ursprünglich als Trainingswerkzeug für Springer‑Gabeln. Hier ist der Link zur App im Google Play Store: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.ajw.chessknightfork&pcampaignid=web_share
Das Spielen gegen Bots muß man erst durch Eingabe von playbot rechts unten in den Einstellungen aktivieren.

Stell nicht deine Figuren ein.

Wer zuviele Figuren einstellt, kann vielleicht mit dieser Webseite dem Übel zu Leibe rücken: Stell nicht deine Figuren ein. Die Übungen decken verschiedene Szenarien ab – vom Erkennen hängender Figuren nach eigenen Zügen bis zur Visualisierung von Varianten – und bieten sowohl einen Zeitmodus mit Leaderboard als auch eine entspannte Variante ohne Zeit. In englisch.

Noël Studers 3×3-Methode zur Partie-Analyse

Der Schweizer GM Noël Studer hat eine einfache und effektive Methode zur Analyse eigener Schachpartien entwickelt, die er als "3×3-Methode" bezeichnet. Sie ist darauf ausgelegt, Überforderung zu vermeiden, sich auf die wichtigsten Momente zu konzentrieren und handfeste Lernpunkte für zukünftige Partien zu extrahieren. Basierend auf seinem YouTube-Video How To Analyze Your Chess Games (the simple way) fasse ich die Tipps hier zusammen:

Risiken der Partieanalyse

Noch nie hab ich je was von den Risiken der Partie-Analyse gehört, außer bei Studer. Er meint:
Zu den Risiken oder Fallstricken gehört nicht nur, daß man aus der Analyse gar nichts für die Zukunft lernt, sondern auch, daß man falsche Sachen lernt. Weitere Risiken sind Überforderung durch zu komplexe Prozesse, die dazu führen, dass die Analyse aufgegeben wird, sowie irreführende Tools wie der Game Review auf Chess.com, der teils verwirrende und unsinnige Ergebnisse liefert. Außerdem überfordern Game Review auf Chess.com oder Lichess.org den Nutzer durch zuviele Daten. Jede Kleinigkeit wird als Ungenauigkeit angestrichen.

Kern der 3×3-Methode

  • Schritt 1: Wähle drei Schlüssel-Momente aus der Partie aus.
    Das sind Positionen, in denen es zu großen Bewertungsschwankungen kam – z. B. wo die Engine eine starke Veränderung zeigt oder wo du intuitiv spürst, dass etwas schiefgelaufen ist. Ignoriere kleinere Ungenauigkeiten – fokussiere dich auf die entscheidenden Wendepunkte, die die Partie beeinflusst haben.
  • Schritt 2: Stelle zu jedem Moment drei "Warum"-Fragen.
    1. Warum habe ich diesen Zug gewählt? – Reflektiere deinen Denkprozess (z. B. Zeitdruck, Absicht oder Fehleinschätzung). Das hilft, mentale Muster zu erkennen.
    2. Warum ist mein Zug nicht optimal? – Nutze dein Hirn, eine Engine oder einen Trainer, um zu verstehen, was falsch war. Konzentriere dich auf menschliche Gründe, nicht nur auf Engine-Werte.
    3. Warum ist der bessere Zug besser? – Analysiere die Alternative und erkläre dir, warum sie überlegen ist. Spätestens hier mußt du dafür dein eigenes Gehirn einsetzen. Wenn du es nicht verstehst, überspringe es – besser keine falschen Lehren ziehen.
    4. Was kann ich in der Zukunft machen, so daß das nicht mehr passiert? Überleg dir ein „actionable takeaway“ oder umsetzbare Erkenntnis für die Zukunft.

Zusätzliche Tipps von Studer

  • Vermeide Überanalyse: Analysiere nicht die gesamte Partie oder jede Kleinigkeit. Die Methode ist bewusst kurz und fokussiert, damit du motiviert bleibst und schnell lernst.
  • Engine richtig nutzen: Verlasse dich nicht auf Tools wie Chess.com’s Game Review – diese geben oft irreführende KI-Kommentare.
  • Fokus auf die Zukunft: Die Analyse sollte nicht um Schuldzuweisung gehen, sondern um Verbesserung. Frage dich: "Was lerne ich daraus für die nächste Partie?"
  • Praktische Umsetzung: Spiele die Partie mit einer Engine nach, markiere die drei Momente und notiere die drei Antworte zu den drei Fragen. Das dauert nur 10–20 Minuten pro Partie.

Diese Methode ist besonders für Amateure geeignet, da sie einfach und zeitsparend ist. Wenn du mehr Details möchtest, schau dir das Video an – es enthält praktische Beispiele. Studer betont, dass konsistente Anwendung (z. B. nach jedem Spiel) zu spürbaren Fortschritten führt, ohne dich zu überfordern.

Vereinsmeisterschaft „Stamma“


Unsere Vereinsmeisterschaft 25/26 beginnt schon am 11.9.25, alle Termine gibt’s hier. Gespielt wird mit Zeitkontrolle 40 Minuten Basisbedenkzeit plus 30 Sekunden für jeden Zug zusätzlich. Ein Spiel dauert etwa 2 Stunden. Wir spielen 7 Runden im Keizer-System, wer 4mal  fehlt, wird aus dem Turnier  genommen. Das heißt aber auch, daß man auch dann gut teilnehmen kann, wenn man nicht an allen Terminen Zeit hat – man kann ja 3mal bedenkenlos fehlen.  Turnierordnung.

Gewidmet ist die Meisterschaft dem aus Aleppo stammenden Philipp Stamma, der um 1705–1755 lebte. Stamma war ein syrischer Schachmeister, der nach Europa zog und dort als Übersetzer und Schachspieler bekannt wurde. Er war der erste Autor, der eine eine algebraische Notationsmethode verwendete. Sein Buch „Essai sur le jeu des Échecs“ enthielt viele Schachkompositionen und war sehr einflussreich in der Schachwelt; die Erstausgabe erschien 1737 in Paris.

Unten ein paar der Endspielstudien aus einer deutschen Ausgabe seines Buchs, die 1856 erschien. In allen Stellungen ist Weiß am Zug und gewinnt. Findest du die Lösungen?  

V.

LII.

LIII.

LXXV.

LXXX.

LXXXI.

LXXXII.

LXXXV.

LXXXVI.

XCVI.

Motive

Anhang: Diese Studien haben wir uns am 4.9.25 gemeinsam im Schachclub angeschaut. Folgende Motive haben wir gefunden:

  • Bauernquadrat
  • verbundene Freibauern
  • 2 Freibauern durch 1 Linie getrennt
  • Turmopfer
  • Hinlenkung
  • Abdrängung per Opposition
  • Abdrängung per Opposition und Turm
  • Spieß
  • Springergabel
  • Fesselung
  • Zugzwang
  • Bauernumwandlung mit Schach / Matt
  • Blockade vom Freibauer
  • Einsperrung vom feindl. K am Rand
  • Pattfalle
  • Laß den Gegner einziehen
  • Bauernmehrheit macht Freibauer
  • Mattdrohung
  • Räumungszug / Räumungsopfer
  • Tempogewinn
  • Matt mit 2 Bauern, gedeckt vom K
  • Bauerngabel
  • Damengabel
  • 4 Felder Barriere von K+B
  • Abzugsschach
  • Linienöffnung

 

Martin Gegenheimer gewinnt leicht verrückten Sommerpokal „Greco“

Unser Sommerturnier „Greco“ ist gestern nach insgesamt drei Spieltagen mit je drei Runden zuende gegangen. Diese Art leicht verrücktes Sommerturnier haben wir heuer zum ersten Mal veranstaltet und der Zuspruch der Schachclübler war sehr erfreulich und allgemein ausgesprochen positiv.

Am gestrigen Spieltag spielten wir Gefangenenbefreiung, Battle Chess und Kibitzschach.

V.l.n.r.: Axel Wagner, Martin Gegenheimer, Joachim Börner

Als Sieger konnte sich Altmeister Martin Gegenheimer knapp vor Joachim Börner durchsetzen, Axel Wagner wurde dritter, mit einem Hundertstel Keizer-Punkt vor dem viertplatzierten Andreas Wicker. Der fünfte Platz ging an Daniel Weickenmeier. Auch unsere Neuzugänge Tobias Raffelt und David Jägle konnten schon gut punkten und belegten die Plätze 6 und 7. Die komplette Tabelle gibt’s hier.

Doch das Wichtigste: Alle hatten viel Spaß beim Turnier. Das werden wir wieder machen!