Schach-Podcasts

Podcast?

Was ist ein Podcast? EIn Podcast ist sowas wie eine Radiosendung, mit dem Unterschied, daß man die nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt anhören muß, sondern zu einer beliebigen Zeit anhören kann.

Das geht zum Beispiel im Browser. Besonders bequem geht es aber mit einem speziellen Handy-Programm – einem so genannten Podcatcher. Ich selber benutze AntennaPod. Das ist umsonst und funktioniert tadellos.

Wenn man einen solchen Podcatcher auf seinem Handy installiert hat, lädt der automatisch die abonnierten Podcasts auf das Handy und man kann die dann wenn man will, zB gut im Zug oder im Auto, anhören. Bei einigermaßen modernen Autos geht das hervorragend über das Multimedia-System des Autos, mit dem sich dann das Handy verbindet. Man hört dann über die Auto-Anlage.

Schach-Podcasts

Man glaubt es kaum, aber es gibt diverse Podcasts über Schach. Zwei davon will ich heute vorstellen. Beide werden von Ben Johnson moderiert. In beiden spricht der Herr Johnson mit anderen Leuten über Schach.

Teils mit GMs, IMs oder auch anderen. Das geschieht auf englisch. Es ist meist ein sehr gut verständliches Englisch, ich habe kaum Probleme, alles zu verstehen was die Leute dort sagen.

Von Beiden kommt wöchentlich eine neue Folge raus.

How to Chess

Der eine heißt How to Chess, und dieser Podcast geht immer zwischen 10 und 20 Minuten. Es wird da ein Thema kurz und knackig behandelt, meist wie man sich im Schach verbessern kann. Zum Schluß fasst er die Sache immer in drei Stichpunkten zusammen.

Perpetual Chess

Der andere Podcast von Ben Johnson heißt Perpetual Chess und das heißt übersetzt Dauerschach. Und wie der Name schon andeutet, geht dieser Podcast deutlich länger. Da wird eine bis anderthalb Stunden gesprochen, oft mit einem GM oder IM über alles mögliche.

Adult Improvers

Innerhalb von „Perpetual Chess“ gibt es regelmäßig Gespräche mit „Adult Improvers“, das sind Leute, die sich im Erwachsenenalter deutlich in der Spielstärke verbessert haben. Die erzählen dann, wie sie das geschafft haben. Interessant!

Die genannten Podcasts sind kostenlos und werden über eingespielte kurze Werbebeiträge finanziert.

 

Jürgen und Turkmenistan

Jürgen, der Schachstratege ist ein starker Spieler mit DWZ um 2150 und sehr aktiver und sympathischer deutscher Schach-Youtuber im besten Alter, dessen Videos ich besonders gern angucke.

 

Er spricht in einem Tempo, bei dem auch ich noch mitkomme und erklärt gut. Besonderes Augenmerk legt er oft auf die Bauernstruktur und damit zusammenhängende strategische Ideen.

Wenn man mal eine Frage zu einem Video hat, kann man im Youtube eine Frage unter das Video setzen oder auch ihn auf Lichess anschreiben und in der Regel gibt er auch Antwort.

Bei Lichess ist er Teamleiter des Teams Die Schachstrategen. Dort veranstaltet er auch öfters mal ein Simultan – wenn man in seinem Team ist, kriegt man mit, wann.

Turkmenistan?

Was hat es nun mit Turkmenistan auf sich?

In irgendeinem seiner Videos erwähnte er die Eselsbrücke Turkmenistan für die Endpielbehandlung, die mir seither im Kopf ist.

TurKMenistan steht für Türme aktiv – König aktiv – Material.
Das soll die Reihenfolge der Wichtigkeit der Dinge im Endspiel darstellen.

Alle Eröffnungen für mittelmäßige Spieler einsorTIERt

GM Hikaru Nakamura und IM Levy Rozman haben drei Videos gemacht, jedes zwischen einer dreiviertel und einer Stunde lang, in denen sie dutzende Eröffnungen kurz zeigen und in eine sogenannte TIER LIST einsortieren. Ha – wahrscheinlich kommt der Name TIER LIST vom einsorTIERen. Jedenfalls ganz interessant anzugucken.

Die am weitesten oben stehen seien am brauchbarsten für mittelmäßige Spieler. Das ist das Endergebnis, leider schlecht zu lesen.

Und das sind die Videos für mittelmäßige Spieler. In Englisch. Ähnliche Videos von denen gibt es auch für Anfänger und GMs.



Computer-Bewertung einer Stellung erzählt nur einen sehr kleinen Teil der Geschichte

Ich sage ja schon lange, daß die Computer-Bewertung einer Stellung für die Praxis oft irreführend ist. Auch unser tschechischer Trainer Jiri hat das schon öfters erwähnt.

Nun habe ich auch Unterstützung von Großmeister Daniel Naroditsky gefunden, der es in diesem Video ab Minute 19:10 ebenfalls sagt.

„Computer evaluation tells a very small part of the story … You need to judge a position based on the difficulty of moves that one has to find.“

Da hilft es auch überhaupt nicht, wenn man den Computer länger rechnen läßt. Nein, dadurch wird der Fehler eher schlimmer.

Der Grund, warum die Computer-Bewertung oft irreführend ist:  Der Computer bewertet die Stellung unter der Hypothese, daß zwei Computer mit ELO 3000 oder mehr gegeneinander spielen. Wir müssen Stellungen bewerten, unter der Hypothese, daß zwei Menschen mit ELO 1000-2000 gegeneinander spielen.   Wir Menschen können viele schwierige Züge halt nicht finden oder nur zufällig.

Ich habe auch noch einen weiteren Beweis gefunden. Die Lichess-Eröffnungs-Datenbank. Gibt man dort zB e4 e5 f4 exf5 ein, also das angenommene Königsgabit, schaltet die Engine und das Eröffnungsbuch gleichzeitig an und stellt am Zahnrädle für das Buch ein, daß die Rapid und Classical-Partien der Lichess-Spieler von 1800-2200 betrachtet werden, erhält man dieses Bild:

Aus der Tabelle rechts unten erhält man für den Zug 3. Sc3 eine Statistik von 58% zu 38%, d.h. Weiß gewinnt mit diesem Zug 58% der Partien und verliert 38%. Die 4% Differenz zu Hundert sind remis. Das ist superstark, es gibt wenige Eröffnungen mit so deutlicher Differenz.

Gleichzeitig ist die Bewertung der Engine bei Tiefe 47 für Sc3 = -0.9, was landläufig als 1 Bauer schlechter für W interpretiert wird und darin sind alle Kompensationen schon einkalkuliert. Das wäre also schon sehr deutlicher Nachteil für Weiß.

Aber die Statistik beweist tatsächlich, daß Weiß bei Spielern auf unserem Niveau im Vorteil ist.

Ich könnte noch diverse weitere logische Beweise anführen, daß die Computerbewertung für unsereins mehr oder weniger Mist ist, aber will es dabei belassen.