Computer-Bewertung einer Stellung erzählt nur einen sehr kleinen Teil der Geschichte

Ich sage ja schon lange, daß die Computer-Bewertung einer Stellung für die Praxis oft irreführend ist. Auch unser tschechischer Trainer Jiri hat das schon öfters erwähnt.

Nun habe ich auch Unterstützung von Großmeister Daniel Naroditsky gefunden, der es in diesem Video ab Minute 19:10 ebenfalls sagt.

„Computer evaluation tells a very small part of the story … You need to judge a position based on the difficulty of moves that one has to find.“

Da hilft es auch überhaupt nicht, wenn man den Computer länger rechnen läßt. Nein, dadurch wird der Fehler eher schlimmer.

Der Grund, warum die Computer-Bewertung oft irreführend ist:  Der Computer bewertet die Stellung unter der Hypothese, daß zwei Computer mit ELO 3000 oder mehr gegeneinander spielen. Wir müssen Stellungen bewerten, unter der Hypothese, daß zwei Menschen mit ELO 1000-2000 gegeneinander spielen.   Wir Menschen können viele schwierige Züge halt nicht finden oder nur zufällig.

Ich habe auch noch einen weiteren Beweis gefunden. Die Lichess-Eröffnungs-Datenbank. Gibt man dort zB e4 e5 f4 exf5 ein, also das angenommene Königsgabit, schaltet die Engine und das Eröffnungsbuch gleichzeitig an und stellt am Zahnrädle für das Buch ein, daß die Rapid und Classical-Partien der Lichess-Spieler von 1800-2200 betrachtet werden, erhält man dieses Bild:

Aus der Tabelle rechts unten erhält man für den Zug 3. Sc3 eine Statistik von 58% zu 38%, d.h. Weiß gewinnt mit diesem Zug 58% der Partien und verliert 38%. Die 4% Differenz zu Hundert sind remis. Das ist superstark, es gibt wenige Eröffnungen mit so deutlicher Differenz.

Gleichzeitig ist die Bewertung der Engine bei Tiefe 47 für Sc3 = -0.9, was landläufig als 1 Bauer schlechter für W interpretiert wird und darin sind alle Kompensationen schon einkalkuliert. Das wäre also schon sehr deutlicher Nachteil für Weiß.

Aber die Statistik beweist tatsächlich, daß Weiß bei Spielern auf unserem Niveau im Vorteil ist.

Ich könnte noch diverse weitere logische Beweise anführen, daß die Computerbewertung für unsereins mehr oder weniger Mist ist, aber will es dabei belassen.

Repertoire für Schwarz nach 1. e4 e5

Wer mit Schwarz 1. e4 e5 spielt, hat das Problem daß er auch jenseits der spanischen Tortur mit vielen verschiedenen starken Erwiderungen von Weiß rechnen muß, zB

  • Italienisch mit c3
  • Italienisch mit d3
  • Evans Gambit
  • Schottisch
  • Schotisches Gambit
  • Königsgambit
  • Göringsgambit
  • Wiener Partie
  • Wiener Gambit
  • Läuferspiel

Christof Sielecki ist ein deutscher IM, der bei Youtube als Chessexplained bekannt ist und auch international einen sehr guten Ruf genießt. Er hat eine Serie von Videos veröffentlicht, die zusammen ein Repertoire für Schwarz nach 1. e4 e5 ergeben. In Englisch, aber gut verständlich.

Themenabende „Endspiele“

Unsere virtuellen Übungsabende sind zur Zeit dem Thema „Endspiele“ gewidmet. Letzte Woche führten Andreas und Michael elementare Turmendspiele vor. Am kommenden Donnerstag geht es um Bauernendspiele. Sie wollen mit dabei sein? Dann melden Sie sich bei uns unter der auf unserer Homepage angegebenen Mailadresse!

Neue Möglichkeiten fürs Taktik-Training auf Lichess

Bis vor kurzem waren die Möglichkeiten zum Taktik-Training auf Lichess relativ bescheiden. Seit ungefähr dem 25. Januar 2021 gibt es viele Verbesserungen. Alle Neuigkeiten findet man unter dem neuen Menüpunkt Aufgaben.

Puzzle Storm

Lichess Puzzle Storm ist so ähnlich wie Puzzle Rush oder der Klon ChessCup. Allerdings, mir gefällt es besser: Man ist nicht so schnell draußen, weil es recht einfach anfängt und die Schwierigkeit der Aufgaben nicht so schnell steigt.  Die 10te Aufgabe ist ungefähr auf einem Level von 1200.

Außerdem kriegt man für richtige Züge immer wieder mal Zeit gutgeschrieben und für falsche gibt es nicht die Regel „Nach drei falschen bist Du raus“ wie beim Puzzle Rush, sondern man bekommt etwas Zeit abgezogen.

Normale Aufgaben

Bei den normalen Aufgaben, die man ohne Zeitdruck machen kann, gibt es folgende Verbesserungen:

  • Bisher waren die Aufgaben, die man präsentiert bekommt, immer gerade so schwer, daß man ungefähr die Hälfte gelöst bekommt. Also am Rande des eigenen Leistungsvermögens. Das ist anstrengend, manchmal frustrierend und man lernt dabei kaum Taktik-Muster, sondern nur das Rechnen. Und wenn man einen schlechten Tag hat, wird man wütend.
    Jetzt kann man zwischen 5 Schwierigkeitsgraden wählen: Normal, Einfacher, Am Einfachsten, Schwieriger, Am Schwierigsten. Dabei sind die Einfachsten ungefähr 600 Punkte unter dem eigenen Level, man bekommt also fast alle recht schnell raus. Die Einfacheren sind rund 300 Punkte unter dem eigenen Level, man bekommt immer noch fast alle raus, muß aber schon ein bischen genauer gucken. Da macht das Aufgaben lösen richtig Spaß.
  • Man kann jetzt unter Dutzenden von Aufgabenthemen wählen, wenn man will. ZB Endspiel, Mittelspiel, Fesselung, Gabel, Hängende Figur, …
  • Man kann Aufgaben, die man falsch gemacht hat, relativ einfach später irgendwann wiederholen.
  • Wenn man ein paar Dutzend Aufgaben gemacht hat, kann man sich schöne Übersichten anzeigen lassen, in welchem Gebiet man Stärken oder Schwächen hat und dann dementsprechend weiter trainieren.

Themenabende „Schachclübler gegen Großmeister“

Im Rahmen der Reihe „Schachclübler gegen Großmeister“ schauen wir uns am Donnerstag Michaels unglückliche Niederlage gegen den Letten Zigurds Lanka in der Oberliga Südwest und Joachims Remis gegen den Exil-Tschechen Ludek Pachman beim Open in Bad Wildbad 1986 an. Sie wollen donnerstags ab 19:30 Uhr auf lichess dabei sein? Dann melden Sie sich bei uns unter der auf unserer Homepage angegebenen Mailadresse!